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Sborník ze semináøe KAP Velehrad 2018

Roswitha Gottbehüt Dr. h. c.

Roswitha Gottbehüt Dr. h. c.

Digitalisierung – die Stimme junger Arbeitnehmer und junger Arbeitgeber

Die Arbeitswelt ist ein besonderes Handlungsfeld für uns alle.
Arbeit gilt als Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung, als Beitrag für die Gesellschaft und als Schöpfungsauftrag zur Gestaltung der Welt.
Vieles, was wir tun, auch unsere tägliche Arbeit, womit wir unseren Lebensunterhalt verdienen, sollte uns als Person ‚berühren‘, sollte sinnstiftend in unserem Leben sein.
Dieser Einstellung sind wir uns als KABler besonders bewusst und dafür setzen wir uns ein.

Nun stehen wir erneut an einer Schwelle, wo sich Arbeit grundlegend verändert. Nur selten hat sich unsere Welt so schnell und so stark verändert, hatten Erfindungen so weitreichende globale Konsequenzen. Das ist das eigentlich Neue an dieser Veränderung der Arbeitswelt: das rasante Tempo. Wer weiterhin erfolgreich sein will, muss sich auf diese Veränderungen einstellen. Seit ca. 30 Jahren arbeiten wir mit Computern und seit ca. 20 Jahren mit Internet und Mobiltelefonen – doch erst jetzt geht es so richtig los. Kaum ein Unternehmen kommt mehr ohne Digitalisierungsstrategien aus.

Die Unternehmen müssen sich also verändern, um wettbewerbsfähig zu sein bzw. zu bleiben. Wenn sich Unternehmen verändern müssen, müssen es die Arbeitnehmer auch. Jedoch sind Veränderungen nicht so unser Ding … Denn dies bedeutet, sich von Gewohntem, auch liebgewonnenen Routinen zu verabschieden und Schritte ins Ungewisse zu wagen. Ältere Arbeitnehmer scheinen Veränderungen unsicher zu machen.

(VIDEO von BkU, KAB, Kolping, CAJ, Sozialwissenschaftl. Zentralstelle u.a. vom Katholikentag, Mai 2918, Münster)
Ich möchte mich – zukunftsorientiert - auf junge Menschen in Unternehmen – also Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer – beziehen, und mit Ihnen gemeinsam überlegen, wie wir Unterschiede gegenüber den seit Jahren bestehenden Strukturen benennen und beurteilen. Ich möchte mal die Behauptung aufstellen, dass für junge Menschen in Unternehmen die Nutzung der Digitalisierung nichts Außergewöhnliches ist. Sie scheint ein Medium zu sein, welches sie zu neuen Geschäftsideen anspornt. Sie wissen, dass Digitalisierung nicht bedeutet, mal eben einen YouTube-Kanal oder einen Facebook-Account oder eine Website für die Firma zu erstellen. Ebenso wenig reicht ein kurzes Strategieseminar. Digitalisierung ist eine permanente Querschnittsaufgabe im Betrieb, betrifft alle Bereiche – von der Beschaffung bis zur Kundeneinbindung, vom Service bis zur Buchhaltung. Alle Mitarbeiter müssen auf dieser Reise mitgenommen werden. Junge Menschen sind offen für diese Arbeitsweise. Kreativität, insbesondere von den Mitarbeitern, ist gefragt. Aber Kreativität braucht Zeit – und Zeit ist Geld, sagt der Durchschnitts-Unternehmer. Wenn die Chefetage zwar Kreativität fordert, andererseits aber auf das Erreichen der üblichen Leistungskennzahlen pocht, gibt es ein Problem. Junge Unternehmer haben dies erkannt und praktizieren eine offene gemeinsame Kommunikation, um Ideen zu entwickeln. Die Führung ist nicht länger der alleinige Problemlöser, sondern die Mitarbeiter erkennen und beheben die Probleme gemeinsam mit der Leitung. Denn Führung heißt in unserer schnelllebigen Zeit mehr denn je, mit Traditionen auch einmal zu brechen und sich Mitarbeitern gegenüber zu öffnen, sie ernst zu nehmen, auf Augenhöhe mit ihnen zu kommunizieren und sie bei wichtigen Entscheidungen einzubeziehen. Gleichzeitig können sich Führungskräfte und Chefs stärker auf ihre Mitarbeiter verlassen, wenn diese das Gefühl haben, bedeutender Teil eines Unternehmens zu sein. Welcher Geschäftsführer würde sich nicht eine Verbundenheit und Hingabe seiner Mitarbeiter wünschen. Sie schauen dabei oft nicht auf die Mittagspausen- oder Feierabend-Uhr, weil schöpferisches Arbeiten sehr motivierend sein kann.

Das Netz spielt eine zentrale Rolle, wenn man den Ursprung für die kulturellen Veränderungen in der Unternehmenswelt verstehen will. Denn das Netz ist nicht nur ein Raum für völlig neue Geschäftsideen, es dient auch als Vorbild für neue Strukturen, neuartige Formen des Miteinanders und beeinflusst unser Denken und wirtschaftliches Handeln maßgeblich. Das beste Beispiel ist der durchschlagende Erfolg von Crowd-Technologien. Ohne das Netz wäre ihr Siegeszug nicht möglich. Die Idee der Crowd hat auch längst Eingang in Unternehmensprozesse gefunden. Mit Tools und Software binden Unternehmen ihre Mitarbeiter als Ideen und Feedback-Geber ein und aktivieren so wertvolles Mitarbeiterwissen. Digitalisierung bedeutet also Vernetzung – zum einen untereinander im Betrieb, die ein zeitaufwendiges ‚Inseldenken‘ wie in älteren Unternehmen - heute unmöglich macht. Ich denke z.B. an die zeitaufwendigen Bürokratie-Strukturen. Die Vernetzung baut auch bestehendes Konkurrenzdenken zwischen Abteilungen, aber auch persönliche Konkurrenzen ab. Sie führt zu flacheren Hierarchien, weil Jeder und Jede ein wichtiges Glied in der Kette ist. Diese Arbeitsmethode greift auch – zum anderen - über auf andere Unternehmen, denn wenn sich für ein älteres Unternehmen die Zusammenarbeit mit einem jungen Startup-Unternehmen anbietet, wird es sich bestenfalls deren Tempo anpassen müssen. Die jungen Gründer haben in der Regel nur eine kurze „Startbahn“ von wenigen Monaten, dann läuft das Unternehmen - oder es läuft nicht. Die sogenannte ‚Gründer-Szene‘ entwickelt sich sehr unterschiedlich. Derzeit ist sie – was Deutschland betrifft – rückläufig. Das liegt daran, dass Fachleute in vielen Branchen derzeit gesucht werden –ähnlich wie hier in Tschechien. Der Grund: Einen Job aufgrund seiner Fähigkeiten anzunehmen ist nicht mit Risiko behaftet – im Gegensatz zur Gründung eines Unternehmens. Die aktuellen Studien in Rheinland-Pfalz zeigen, dass die Anzahl der Gründungen zurückgeht, aber die Qualität der Konzepte von Gründern steigt. Dass mancher eine Gründung scheut, führt man auch darauf zurück, was vorgelebt wird. In Deutschland herrscht oft das Denken, man dürfe nicht scheitern. Das sieht in den USA und Großbritannien anders aus. Man ist risikofreudiger. Deutsche Wirtschaftsverbände suggerieren, man müsse unternehmerisches Denken sehr viel früher vermitteln. Z. B.: Ein junges Unternehmen aus Mainz startete vor drei Jahren mit drei Mitarbeitern. Heute sind es 25 Mitarbeiter. Es ist ein klassisches ‚Start-Up‘ – (so heißen Unternehmen mit neuen Geschäftsideen) – dieses ist spezialisiert auf sicherheitskritische InformationsTechnologie, insbesondere für den öffentlichen Sektor und die Medizinbranche. Es ist ein schwieriger Markt, in dem man mit Großunternehmen konkurriert und in dem Produkte hohe Investitionen erfordern. „Partner und Netzwerke sind das A und O“, bestätigt der Geschäftsführer. „Es gebe zwar viele Beratungs- und Förderangebote, aber es schenkt einem niemand Geld“. Die Kapitalbeschaffung sei ein hartes Geschäft, der eigene Business-Plan wird von potenziellen Geldgebern ‚auf Herz und Nieren geprüft‘ - und die Angst vor dem Scheitern ist dauernd präsent. Es braucht Mut, zur richtigen Zeit richtige Entscheidungen zu treffen. Ohne landesweit vorhandene Förderbanken, die sich über Tochterunternehmen an jungen Unternehmen beteiligen, ist der Start schwierig. Im Durchschnitt beteiligen sie sich mit ca. 300.000 Euro mit offener oder stiller Beteiligung. Von zehn unterstützten ‚Start-ups‘ sind durchschnittlich zwei sehr erfolgreich, vier, die aufgeben oder in die Insolvenz gehen und die anderen liegen irgendwo dazwischen. Entscheidend für den Erfolg sei neben der Vernetzung das Gründerteam. Ein Team, bestehend aus Gründer und Mitarbeiter nehmen an denselben Kursen teil. Am Anfang steht z. B. eine Digitalisierungs-Messe, wo Techniker und Wissenschaftler Ideen präsentieren. Als nächster Schritt werden sie von starken Akteuren, den Verbänden (Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern) aufgegriffen und junge Arbeitgeber, Arbeitnehmer zu deren Kursen eingeladen – mit entsprechenden technischen Universitäten als Begleiter. Die Anbindung an Universitäten ist sehr bedeutsam.

Nicht im Vortrags-Stil finden die Kurse statt, sondern mit offener Kommunikation mit dem Ziel zum Erfinden und Gestalten: z.B. im Baugewerbe: eine ‚intelligente‘ Wand, die mit Sensoren ihre Feuchtigkeit selbst überwacht; ein Baugerüst, das selbst für Sicherheit sorgt, indem es Daten zu Temperatur und Druck liefert; das Werkzeug, das dank GPS-Überwachung den besten Weg zur nächsten Baustelle vorschlägt; Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Prozesse vereinfacht werden können und Entscheidungen für Arbeitsabläufe getroffen werden. Die Beweise für grundlegende Veränderungen durch Digitalisierung finden wir in der Darstellung vieler junger Unternehmen. Wie werben sie – was erzählen sie aus ihrem ‚Innenleben‘? Am 15.6.2018 postet eine Werbeagentur auf ihrer Website: „IT’s TIME FOR A CHANGE. Wir haben vor zwei Wochen schon die Zeiterfassung abgeschafft. Und seit heute definieren die Kolleginnen und Kollegen selbstbestimmt, wann und wo sie arbeiten und wie lange sie in Urlaub gehen. Die einzige Maxime dahinter lautet: CLIENTS FIRST. Was zählt, ist das Ergebnis für den Kunden. Punkt. Das ist das Ergebnis eines längeren Prozesses mit vielen internen Diskussionen und externen Inspirationen. Wir glauben an diesen Weg, weil wir Werte für Kunden schaffen wollen, die auch entsprechend bezahlt werden sollen. Das wird die Arbeit intern wie extern verändern und zu besseren, zielgerichteten Ergebnissen führen. Mit zufriedenen Kunden und zufriedenen Kollegen. So soll es sein. Wir suchen noch Leute (Beratung, Werbung, Anzeigenverkauf) – wer will noch mitmachen?“ Und so lautet ein weiteres digitales Inserat: „Wir sind eine Kommunikationsagentur. Gut gelaunt und kreativ. Wir feiern gern, am liebsten Erfolge. Was bei uns zählt: die Chemie – denn dass Du Dein Handwerk verstehst, das setzen wir voraus. Was wir Dir bieten: Raum, Dich zu entfalten, anspruchsvolle Kunden, konzeptionelle Aufgaben und guten Teamgeist. Lerne uns kennen und frage uns aus – wir freuen uns auf nette Menschen mit guten Ideen, die Lust haben, Gas zu geben. Besuche uns an unserem Messe-Stand oder beim Speed Dating am 17.5.2018. Ferner aus einem Interview in einer Fachzeitschrift der selben Kommunikationsagentur: „Bei uns ist es möglich, sehr kurzfristig zu entscheiden, von wo aus man arbeiten möchte. Der Ort ist uns völlig egal, solange der Job für alle Seiten zufriedenstellend erledigt wird. Bei der Urlaubsgestaltung gehen wir einen anderen Weg: Wir geben den Mitarbeitern kein festes Kontingent, welches sie im Jahr aufbrauchen sollen. Jeder kann so viel Urlaub nehmen wie er möchte. Ergebnis: Jeder verhält sich fair gegenüber den anderen, weil ja jemand die Vertretung machen muss. Die Arbeitszeiten wollen wir flexibel gestalten. Wir haben keine Stempeluhr und keine Kernarbeitszeit. Jeder kann sich seine Arbeitszeit so einteilen wie es ihm passt. Es ist alles eine Frage der Absprache. Man muss dann erreichbar sein und ‚Deadlines‘ sollten nicht überschritten werden. Dann ist alles bestens. Manche Mitarbeiter gehen ins Ausland und arbeiten von dort. Egal ob 20, 25, 30, 32 oder 36 Stunden verteilt auf 3, 4 oder 5 Tage – hier findet man so gut wie alles. Überstunden? Durch Freizeitausgleich oder mehr Urlaub. Das Thema „Weiterbildung“ wird gross geschrieben: Es gibt hauseigene Work-shops und Vorträge, denn „unser Wissen ist dazu da, geteilt zu werden.“ Jeden Montag kommt eine Trainerin für Yoga oder andere Sportprogramme. 2 x die Woche kommt eine Lieferung von Obst und Gemüse. Es gibt Getränke umsonst. Es gibt eine „Küchenfee“ und eine festangestellte Englischlehrerin. Wir feiern gerne – es gibt Teamabende, Weihnachtsfeier, ein jährliches Wochenende im Ausland. Alle Entscheidungen werden basisdemokratisch getroffen. Ein gutes Beispiel ist die Ernennung unserer drei ergänzenden Geschäftsführer. Auch bei der Wahl unserer Kunden gibt es ein Mitspracherecht für alle. Diese Meinungen haben Gewicht. Probleme sollen offen und direkt angesprochen werden. Es gibt jede Woche ein ‚Fazit-Meeting‘, in dem negative, neutrale und positive Dinge zur Sprache kommen. Der Anteil der Frauen ist hoch=65%, Durchschnittsalter 30 Jahre, Durchschnitts-Beschäftigungszeit: 4 Jahre. Offenlegung von Gehältern: Jeder Kollege kann vom ersten Tag an sehen, was die anderen verdienen. Transparenz ist wichtig. Wir versuchen dadurch, Ungerechtigkeiten zu vermeiden. Eine Ungleich-Bezahlung zwischen Männern und Frauen gibt es nicht. Das Gehalt bemisst sich an der Berufserfahrung.“

Als Fazit möchte ich folgendes benennen (positiv – negativ)
(1) Durch die Digitalisierung und den Wettbewerb fördern Unternehmen also Strukturen und Prozesse, die es Mitarbeitern ermöglichen, sich verstärkt einbringen zu können. Nicht nur die Unternehmen profitieren davon – die Mitarbeiter selbst tragen diesen Anspruch ins Unternehmen. Den Beteiligungsgrad, den sie aus den sozialen Medien kennen, wünschen sie sich auch am eigenen Arbeitsplatz. Die junge Generation ist mit den digitalen Technologien aufgewachsen und empfindet es als völlig normal, sich an Diskussionen und auch Entscheidungsfindungen zu beteiligen. Mitsprache und Beteiligung sind quasi ihr Modus Operandi, digitale Technologien ihr Werkzeug. Kein Wunder, dass einem Großteil der jungen Generation Erfüllung im Job wichtiger ist als Geld und Karriere.
(2) Diese neuen Unternehmensstrukturen können auch ein Beitrag zur Stärkung von Persönlichkeiten oder sogar unserer Demokratien sein, bedingt durch die notwendige Entscheidungsfähigkeit eines jeden Mitarbeiters.
(3) Uns ist der ‚ethische Dreiklang‘ christlich-sozialer Arbeiterbewegungen bekannt : Sehen – Urteilen – Handeln.
Jedoch ist der heute meistgebrauchte Beurteilungsmassstab der wirtschaftlicher Natur (können wir einen Gewinn erzielen? – wieviel kostet es?)
(4) Was bedeuten die Strukturen junger Unternehmen für unser Gemeinwohl, für unsere Familien – in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Das Angebot an Flexibilität kann sich positiv auf das Familien- und Privatleben auswirken. Die Bereiche vermischen sich mehr und mehr.
(5) Die Fluktuationsrate junger Arbeitnehmer ist zum Teil sehr hoch. Junge Menschen sind eher bereit, sich beruflich zu verändern und andere Branchen kennen zu lernen.
(6) Es stellt sich ebenso die wichtige Frage, wie sich bestehende Mitbestimmungsgesetze und die Präsenz von Gewerkschaften auf die neuen Strukturen auswirken. Hier muss die Politik den Ordnungsrahmen setzen.
Es ist unsere Aufgabe, dem wirtschaftlichen Prinzip das soziale Prinzip und die Gesetzgebung übergeordnet hinzuzufügen (Personalitätsprinzip, Gemeinwohl-, Solidaritäts-, Subsidiaritäts- und Nachhaltigkeitsprinzip) – dann kann der ‚digitale Zug‘ in die richtige Richtung fahren.
Junge Arbeitgeber und junge Arbeitnehmer werden die Veränderungen in unseren globalen Gesellschaften entscheidend mitgestalten.